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Geschichte

#1 Jinsha und der 3000 Jahre alte Sonnenvogel

Unser einem westlichen Wohnviertel von Chengdu liegt ein 3000 Jahre alter Kultort. Seine winzige Goldfolie, der Sonnenvogel, ist heute das Emblem des chinesischen Kulturerbes.

#1 Jinsha und der 3000 Jahre alte Sonnenvogel

Im Februar 2001 stießen Arbeiter bei Rohrverlegungen am Stadtrand von Chengdu auf etwas Außergewöhnliches: eine Opfergrube voller Elfenbein, Jade, Bronze und Gold. Dieser Zufallsfund enthüllte Jinsha (金沙), das rituelle Zentrum eines vergessenen Reichs, das um 1200 bis 650 v. Chr. auf der Chengdu-Ebene blühte, zur Zeit der späten Shang- und frühen Zhou-Dynastie. Ein Jahrtausend vor der ersten schriftlichen Erwähnung Chengdus übte hier bereits eine hochstehende, durch und durch städtische Kultur ihren Kult aus.

Was in Jinsha gefunden wurde

Archäologen haben nur einen kleinen Teil des fünf Quadratkilometer großen Platzes ausgegraben. Die Highlights sind über tausend Gold-, Jade-, Bronze- und Steinstücke, dazu Dutzende Tonnen Elfenbein und riesige Mengen bemalter Stoßzähne. Anders als die kriegerischen Bronzen der Zentralebene wirken Jinsha-Objekte nach innen gewandt und geistlich: Masken, Statuetten, Ritualstäbe und eine Gold-Bronze-Figur, die wie ein Hohepriester wirkt.

Der Sonnenvogel

Der Schatz, den alle sehen wollen, ist der Sonnenvogel (太阳神鸟), eine hauchdünne Goldscheibe von nur 12,5 Zentimetern Durchmesser und lediglich 20 Gramm Gewicht, gearbeitet auf bemerkenswerte 94 Prozent Reinheit. Ihr aus einem einzigen Blatt geschnittenes Design zeigt vier fliegende Vögel, die die wirbelnde Sonne jagen. 2005 wurde sie zum offiziellen Logo des chinesischen Kulturerbes gewählt, und heute fliegt sie auf Chinas Mondmissionen mit. Man kann direkt durch die zarte Folie blicken, wenn die Sonne dahinter scheint.

Was es uns erzählt

  • Die Menschen von Jinsha beherrschten fortgeschrittene Goldverarbeitung, Astronomie und eine einzigartige Sonnen- und Vogelkosmologie der alten Shu-Zivilisation.
  • Der Fund beweist, dass Chengdu kein spätes Hinterland war, sondern eines der reichsten Ritualzentren Ostasiens.
  • Jinsha gilt weithin als Nachfolgekultur der noch spektakuläreren Zivilisation von Sanxingdui, eine Autostunde nördlich.

Wie man die Stätte liest

Wer rasch durch die Säle eilt, verpasst den Punkt. Am berührendsten ist nicht das Größte, sondern das Leiseste: der daumengoldene Sonnenvogel, die bronzenen Kniefiguren mit gepflegten Zöpfen und die Elfenbeinstoßzähne, die noch drei Jahrtausende alt so daliegen wie einst gelegt. Beachten Sie, wie die Shu das menschliche Gesicht sahen, anders als in den Zentralebenen: rund und heiter, nicht streng und kriegerisch. Verbringen Sie eine Stunde im neuen Museum und gehen Sie dann in die Grabungshalle, wo Sie über die echte, unberührte Grube mit Sand, Asche und Ritualablagerungen blicken.

Kommen Sie an einem Wochenmorgen, wenn das Licht weich und das Publikum klein ist. Verbinden Sie die Stätte mit dem Qingyang-Palast, einem taoistischen Kloster fünf Minuten entfernt, und beschließen Sie den Tag mit einem Jasmintee. Versuchen Sie nicht, Sanxingdui noch anzuhängen; es liegt eine Stunde nördlich und verdient einen eigenen Vormittag.

Praktisch ist auch, dass das Museum gut an die U-Bahn angebunden ist und man die Fahrt zum nächsten Ziel leicht anschließt. Nehmen Sie sich nach dem Rundgang zehn Minuten, um auf der Bank vor dem Ausgang die Atmosphäre wirken zu lassen.

Ein englischer Audioguide ist an der Kasse erhältlich und lohnt sich, da die Schilder nur knapp erklären. Nehmen Sie sich nach dem Besuch zehn Minuten auf einer Parkbank.

Praktische Informationen

  • Adresse: Nr. 25 Jinsha Yizhi Road, Stadtbezirk Qingyang, Westen von Chengdu
  • Anfahrt: U-Bahn-Linie 7 zur Station Jinsha Museum, Ausgang C, dann kurzer Fußweg
  • Öffnungszeiten: 9 bis 18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr; an den meisten Montagen geschlossen
  • Eintritt: rund 70 Yuan; in der Hauptsaison vorab buchen
  • Tipps: Plane zwei bis drei Stunden ein. Die Relikt-Halle, in der man über die echten Ausgrabungsgruben steht, ist das emotionale Zentrum. Das Elfenbein-Labor zeigt seltene Restaurierung live. Kein Blitzlicht.

Wer über den nicht ausgegrabenen Gruben steht, in denen vor 3000 Jahren eine Priesterschaft der Sonne Schätze opferte, versteht, warum sich Chengdu eine Stadt ununterbrochener Besiedlung von 3000 Jahren nennt.

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