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Geschichte

#2 Sanxingdui, die rätselhafte Bronzekultur

Riesige Augen, lange Ohren, Goldmasken und bronzene Lebensbäume einer Zivilisation, die die chinesische Geschichte völlig vergessen hatte. Sanxingdui schrieb die Geschichte des alten China neu.

#2 Sanxingdui, die rätselhafte Bronzekultur

Etwa 40 Kilometer nordwestlich von Chengdu, in der flachen Farmlandschaft von Guanghan, geschah die erstaunlichste archäologische Entdeckung des modernen China. 1929 fand ein Bauer beim Graben eines Grabens eine Jadegrube; 1986 öffneten Archäologen zwei riesige Opfergruben und förderten Bronzen zutage, die in den chinesischen Annalen nicht vorkamen. Das ist Sanxingdui (三星堆), ein Reich, das vor rund 3000 Jahren blühte und kein einziges Wort Schrift hinterließ.

Das Gesicht von Sanxingdui

Vergiss die anmutigen Bronzen der Zentralebene. Das Markenzeichen von Sanxingdui ist die bronzene heilige Maske: ein geometrisches Gesicht mit breitem Mund, flachem Körper und zwei zylindrischen Augen, die fast 16 Zentimeter nach außen ragen. Eine Riesenmaske ist über 3,5 Meter hoch. Es gibt goldene Zepter, einen fünf Meter heiligen Bronzebaum, Bronzvögel und eine Maske mit echtem Blattgold. Die Wirkung ist fremdartig, theatralisch und unvergesslich.

Warum es wichtig ist

  • Sanxingdui beweist, dass im Sichuan-Becken eine komplexe, höchst künstlerische Zivilisation existierte, parallel zur Shang-Dynastie, mit eigener Religion und Kunst.
  • Es zwang Historiker, die Erzählung von der Zentralebene zu überdenken und einen pluralen, mehrzentrigen Ursprung der chinesischen Kultur anzuerkennen.
  • Niemand weiß bis heute, warum die Menschen ihre schönsten Schätze in Gruben verschlossen und verschwanden; ihre Schrift wurde nie gefunden.

Das neue Museum

Ein atemberaubendes neues Sanxingdui-Museum eröffnete 2023, gebaut um die frisch ausgegrabenen Gruben 3 bis 8. Heute blickt man direkt in die echten Opfergruben und sieht, wie die Bronzen zerbrochen, verbrannt und vergraben wurden. Die Architektur selbst ist eine Landmarke, halb im Erdreich und von Licht durchdrungen.

Warum die Masken so fremd wirken

Vor den Bronzemasken steht man unter Schock: Keines dieser Gesichter sieht so chinesisch aus, wie man erwartet. Hervortretende Pupillen, vorgereckte Augenbrauen, zu einem unlesbaren Strich geschlossene Lippen, ohrenweit wie Flügel. Noch immer streiten Archäologen, ob die hervortretenden Augen Schamanen, eine Krankheit oder einfach eine verlorene Kunstsprache zeigen. Wie auch immer die Antwort lautet, der Effekt ist absichtlich beunruhigend, als wollte die Zivilisation erinnern, dass sie die Welt anders sah.

Die beste Zeit ist früh, bevor die Reisebusse kommen. Gehen Sie langsam an den Masken, den neun Bronzevögeln auf ihrem Baum und dem heiligen Stab vorbei. Planen Sie zwei bis drei Stunden ein. Viele verbinden die Fahrt mit einem Halt in Guanghan auf dem Rückweg und sind am späten Nachmittag zurück in Chengdu. Nehmen Sie das Kombiticket mit dem neuen Museum nahe dem Flughafen, wenn Sie beides wollen; doch die ursprünglichen Opfergruben bleiben das Herzstück.

Da die Busfahrt nach Guanghan ihre Zeit braucht, ist ein ganzer Vormittag nötig. Nehmen Sie ausreichend Wasser mit; in den Sälen ist es warm, und zwischen den Hallen gibt es wenig Schatten.

Der Museumsladen verkauft gute Bildbände in englischer Sprache; sie nehmen die Masken mit nach Hause. Das Museum ist groß, planen Sie also ausreichend Zeit ein.

Praktische Informationen

  • Lage: Sanxingdui-Gelände, Stadt Guanghan, etwa 40 km vom Zentrum Chengdus
  • Anfahrt: Hochgeschwindigkeitszug von Chengdu Ost oder Nord nach Guanghan Nord, etwa 18 Minuten, dann Bus oder Taxi; auch Direktbusse ab dem Westtourismuszentrum
  • Öffnungszeiten: 8.30 bis 18 Uhr, letzter Einlass gegen 17 Uhr; in der Nebensaison montags geschlossen
  • Eintritt: rund 72 Yuan; an Wochenenden und Feiertagen unbedingt online vorreservieren
  • Tipps: Plane einen halben Tag inklusive Anfahrt. Audioguide oder Führung dringend empfohlen. Mit Jinsha kombinieren für die volle Geschichte des alten Shu.

Aug in Auge mit jenen starren Bronzeaugen spürt man die Gegenwart einer Zivilisation, die wir immer noch nicht zu lesen wissen.

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