Chuan Chuan Xiang (串串香, chuànchuànxiāng, wörtlich „duftende Spieße") ist der proletarische Cousin des Hot Pot. Seit den 1980er Jahren fädelten Straßenverkäufer billige Zutaten auf Bambusstäbe und ließen die Gäste entweder selbst im scharfen Sud kochen oder schon fertige Stäbe aus einem kalten Chiliöl-Eimer ziehen. Das Wort chuan chuan ist onomatopoetisch: das Geräusch leerer Holzstäbe, die in den Eimer klappern. Es ist Chengdus liebstes Nachtessen – billig, laut, gemeinschaftlich – und man kann es kaum allein essen, ohne Bekanntschaften zu schließen.
Zwei Arten von Chuan Chuan
- Warme Topf-Variante (热锅串串, règē chuànchuàn): ein brodelnder Mala-Topf in der Tischmitte. Man nimmt ein Tablett, geht durch einen Kühlschrank voller Spieße und lässt die gewählten in die Brühe gleiten. Am Ende zählt der Kellner die leeren Bambusstäbe.
- Kalte Topf-Variante (冷锅串串, lěngguō chuànchuàn): Die Zutaten sind bereits gekocht und in duftendem Chiliöl gekühlt. Man wählt direkt aus einem großen Bottich, schüttelt das Öl ab und isst im Stehen oder Sitzen. In Yulin die übliche Straßenversion.
Unbedingt probieren: Lotus, Bambussprossen, Entendarm, Hähnermagen, Rinderrouladen, Konjak, Holzohrpilz und Tofuhaut.
So wird abgerechnet
Die meisten Lokale berechnen pro Spieß: ¥1–3 je nach Zutat. Ein hungriger Gast schafft 30–60 Stäbe. Am Ende leert der Kellner den Eimer auf den Tisch und zählt. Rechnen Sie mit ¥60–90 pro Person. Im gehobeneren Laden wird nach Tellern berechnet – vorher fragen.
Praktische Informationen
- Adresse: Die dichtesten Ballungen liegen in Yulin (玉林), Jianshe Road (建设路) und bei der Sichuan-Universität (Westtor). Suchen Sie Lokale mit Einheimischen, nicht mit Touristen.
- Verkehr: Metro Linie 1 bis Nijiaqiao für Yulin; Linie 6 bis Jianshe North Road für die Jianshe-Straße.
- Öffnungszeiten: die meisten 17:00 bis 02:00; die Straßenversion geht bis tief in die Nacht.
- Kosten: ¥50–90 pro Person; kalte Straßen-Spieße ¥1–2 pro Stück.
- Tipps: Dünnes Fleisch 10–30 Sekunden, harte Gemüse wie Kartoffeln 3–5 Minuten. Eine Schale Sesam-Dip, falls vorhanden.
Tipps für ausländische Gäste
Scheuen Sie sich nicht, selbst in den Kühlschrank zu greifen – genau das ist der Sinn. Wenn Sie die Etiketten nicht lesen, zeigen Sie auf die Spieße, die Ihnen gefallen; das Personal errät es. Die Schärfe ist meist fix; verlangen Sie einen halben Mala-Topf (鸳鸯), falls nötig. Nehmen Sie einen Pullover – Dampf und Chili lassen Sie auch im Winter schwitzen.
Getränke, Begleiter und Tischsitten
Ein Essen in Chengdu beginnt fast immer mit Tee. Eine Kanne starker grüner Tee (绿茶, lǜchá) oder Jasmintee (茉莉花茶, mòlìhuāchá) klärt den Gaumen zwischen den scharfen Bissen. Die Einheimischen bestellen auch kaltes Yanjing-Bier (燕京啤酒, Yānjīng píjiǔ) oder Zuckerrohrsaft (甘蔗汁, gānzhezhī), um die Schärfe abzumildern. Wenn die Rechnung kommt, sehen Sie, wie hier gezahlt wird: Wer das Essen gegeben hat, besteht darauf, und das Hin- und Herschieben der Quittung ist Teil des Rituals, kein Streit. Wenn Sie Gast sind, lassen Sie den Gastgeber zahlen; wenn Sie eingeladen haben, fordern Sie die Rechnung mit einem Lächeln. Wischen Sie Ihre Stäbchen vor dem Essen immer mit dem heißen Tuch (热手巾, rè shǒujīn) ab, und stecken Sie die Stäbchen niemals senkrecht in die Reisschüssel—das erinnert an Räucherstäbchen für die Toten. Wenn ein Gericht zu scharf ist, trinken Sie kein Wasser, sondern fragen nach dem kalten Pflaumengetränk (酸梅汤, suānméitāng) oder einer Schale weißen Reis. Chengdu ist nach chinesischen Maßstäben informell: Schlürfen, lautes Reden und Nachschlag sind alles Zeichen eines glücklichen Tisches.