Bobo Ji (钵钵鸡, bōbō jī, wörtlich „Schüsselhuhn") stammt aus Leshan, der kleinen Sichuan-Stadt unterhalb des Emei-Berges, wurde aber von Chengdu zum Eigenen gemacht. Im Gegensatz zum Hot Pot, der kocht, ist Bobo Ji kalt: mundgerechte Stücke von pochiertem Hähnchen, Innereien und Gemüse werden auf winzige Bambusspieße gezogen und stundenlang in einem Aromasud aus Hühnerbrühe, Sichuanpfeffer, Chiliöl und Ingwer eingeweicht. Serviert wird es kalt in einer tiefen Keramikschüssel (das Bobo), und man isst es stehend oder sitzend als Straßensnack.
Was man wählt
In einem Bobo-Ji-Laden steht ein großer Glasbehälter oder ein Edelstahlbottich mit Dutzenden vorgetränkter Spieße. Man wählt selbst, am Ende zählt der Kellner die Stäbe. Klassiker:
- 土鸡肉 tǔ jīròu – freilaufendes Hähnchen-Schenkel, der Namensgeber
- 鸡爪 jī zhuǎ – Hähnchenfüße, knorpelig und süchtig
- 郡把 jùn bǎ – Hähnermagen, elastisch
- 土豆片 tǔdòu piàn – Kartoffelscheiben, weich und voller Geschmack
- 藕片 ǒupiàn – Lotusscheiben, knackig
- 木耳 mù ěr – Holzohrpilz, geleeartig
- 豆皮 dòupí – Tofuhaut, kauwig
Zwei Brühen dominieren: rotes Chiliöl (红油, hóngyóu), scharf und betäubend, und grüner Pfeffer (藤椒, téngjiāo), duftend von grünem Sichuanpfeffer und Sesamöl, milder aber kitzelnd. Bestellen Sie beide, wenn möglich.
Praktische Informationen
- Adresse: Exzellente Bobo-Ji-Stände drängen sich um die Yulin West Road (玉林西路), nahe der Sichuan-Universität und um den Jiaodi Square. Fragen Sie Einheimische nach dem Lieblingsladen.
- Verkehr: Metro Linie 1 bis Nijiaqiao, dann 10 Minuten zu Fuß nach Yulin; oder Linie 3 bis Gaoshengqiao.
- Öffnungszeiten: die meisten 11:00 bis 01:00; die Hauptzeit 17:00–21:00.
- Kosten: ¥1–3 pro Spieß, ein sattes Essen ¥40–70 pro Person.
- Tipps: Lassen Sie den Spieß über der Schüssel abtropfen. Verlangen Sie eine Schale weißen Reis, um die restliche Brühe darüberzugießen.
Tipps für ausländische Gäste
Bobo Ji wird kalt serviert – erwarten Sie keinen Dampf. Es ist einer der zugänglichsten Sichuan-Straßensnacks: Die Schärfe ist aromatisch, nicht brennend, und die Anzahl der Spieße kontrollieren Sie selbst. Vegetarier haben echte Auswahl: Kartoffel, Lotus, Pilze und Tofuhaut sind ausgezeichnet. Nehmen Sie Feuchttücher – das Öl an den Fingern duftet, nicht unangenehm.
Getränke, Begleiter und Tischsitten
Ein Essen in Chengdu beginnt fast immer mit Tee. Eine Kanne starker grüner Tee (绿茶, lǜchá) oder Jasmintee (茉莉花茶, mòlìhuāchá) klärt den Gaumen zwischen den scharfen Bissen. Die Einheimischen bestellen auch kaltes Yanjing-Bier (燕京啤酒, Yānjīng píjiǔ) oder Zuckerrohrsaft (甘蔗汁, gānzhezhī), um die Schärfe abzumildern. Wenn die Rechnung kommt, sehen Sie, wie hier gezahlt wird: Wer das Essen gegeben hat, besteht darauf, und das Hin- und Herschieben der Quittung ist Teil des Rituals, kein Streit. Wenn Sie Gast sind, lassen Sie den Gastgeber zahlen; wenn Sie eingeladen haben, fordern Sie die Rechnung mit einem Lächeln. Wischen Sie Ihre Stäbchen vor dem Essen immer mit dem heißen Tuch (热手巾, rè shǒujīn) ab, und stecken Sie die Stäbchen niemals senkrecht in die Reisschüssel—das erinnert an Räucherstäbchen für die Toten. Wenn ein Gericht zu scharf ist, trinken Sie kein Wasser, sondern fragen nach dem kalten Pflaumengetränk (酸梅汤, suānméitāng) oder einer Schale weißen Reis. Chengdu ist nach chinesischen Maßstäben informell: Schlürfen, lautes Reden und Nachschlag sind alles Zeichen eines glücklichen Tisches.
Ein paar letzte Worte vor der Abreise
Wenn Sie allein essen, fragen Sie nach einer halben Portion (半份, bànfèn) bei jedem Gericht mit viel Chiliól; die meisten Lokale willigen ein. Suchen Sie sich Tische, an denen bereits lokale Familien mit Großeltern und Studenten sitzen: Wenn der Saal voll ist, stimmt der Preis und die Küche genießt seit Jahren Vertrauen. Setzen Sie sich im Sommer unter die roten Laternen nach draußen und im Winter an ein Fenster, damit Ihnen der Dampf des Topfes ins Gesicht steigt. Nehmen Sie Bargeld oder ein Handy mit eingerichtetem WeChat Pay oder Alipay; kleine Stände nehmen kaum ausländische Karten. Ein großzügiges Trinkgeld ist nett, wenn ein Kellner Sie durch die Karte geführt hat, an Straßenständen wird keines erwartet. Nehmen Sie sich Zeit: Chengduer Essen will bis zum Abend gedehnt werden, und nach zwanzig Minuten wieder zu gehen gilt als schade.